02
Aug 10

Das Hurricane – Festival 2008

Kategorie: Hurricane |

Geschichten von Schlammbädern und Schluckauf

Ein Bericht von Kiesbettcamper Inge

Hallo liebe Leser!

Seit Sonntag sind mein Neffe und ich zurück von der wohl staubigsten Angelegenheit auf diesem Planeten. Da sich das Rock am Ring Festival noch gut im Gedächtnis befindet, bietet sich eine Aufarbeitung des vergangenen Wochenendes im direkten und indirekten Vergleich an.

Sicher, wer regelmäßiger Besucher des Rings ist und hierbei selbstredend auf der Nordschleife campt, wird schwerlich anderswo etwas stimmungsvolleres, ungehemmteres, einfach geileres erleben. Die Schleife ist und bleibt unerreicht. Doch jedwede Massenansammlung trinkwilliger Haupthaarschüttler hat seinen eigenen Reiz…

Und seine eigenen Hürden! Einigen von Euch ist sicher der „Fruchtbare Dialog“, den ich per Mail mit einem genervten Mitarbeiter im Vorfeld des Hurricanes führte, bekannt. Und in der Tat kam es zu Verbotsorgien der besonderen Art. Verrückt, kann ich nur sagen. Aber lest selbst und habt viel Spaß dabei.

Euer

Ingo

Dieses Schreiben ist maschinell erstellt und trägt daher keine persönliche Unterschrift. Tschuldigung!

Aaach, wie hatte ich das vermisst. Lange Autoschlangen, knöcheltiefe Gehwege, auf denen das Tragen schwerer Lasten besonders viel Freude bereitet, Musik aus dem Kassettenrekorder, dessen Batterien zu schnell den Geist aufgeben… Und pisswarmes Bier aus 5 l Fässchen!

Eines vorweg: Das Wetter war fast durchgehend wie bestellt. Am Do Abend ein kurzer Schauer. Fr – So Mittag viel Sonne, knackige Wärme. Und nochmals Danke, Kalle, dass Du am Montag wieder zum Praktikum gehen musstest. Deshalb hatten wir rechtzeitig alles abgebaut und im Auto verstaut. Bevor die Unwetter eintrafen.

Doch der Reihe nach. Alleine machte ich mich am Donnerstag auf den Weg in eine mir fremde Gegend. Der Routenplaner empfahl mir eine Strecke, deren Autobahnbenutzung in Verden Nord für mich endete. Dies deckte sich mit den Empfehlungen der Hurricane Website.

Kein Wunder! Gleich im ersten Kaff waren hinter einer lang gezogenen Linkskurve Bataillone von Zöllnern aufgereiht, die mit MP’s im Anschlag und Rauschgifthunden die Partyfreudigen rauszogen und die Autos auseinander bauten, dass Grenzer der ehemaligen DDR neidisch geworden wären.

Wie ich später erfuhr kam es an allen offiziellen Zufahrten zu solchen Kontrollen. Einige waren reine Schikane. Die Beamten durchsuchten zielgerichtet Autos und Caravane aus bestimmten Regionen. Hannover gehörte wohl nicht dazu, ich kam durch.

Überhaupt war die Polizeipräsens überproportional. Überall sollte wohl signalisiert werden, dass es keinen Sinn machen würde, irgendetwas illegales zu veranstalten. Selbst auf den Campingplätzen führten die Sherifs ihre Pferde spazieren. Ein kleiner Trost: In den neuen, pechschwarzen Uniformen hat das in der prallen Hitze sicher kein Spaß bereitet, hehe.

Nach dem ich nach 8 km Stop and go meine Beine auf Betriebstemperatur für anschließende Langlaufstrecken gekuppelt hatte, stellte ich den Wagen auf einer 3 Tage Bart Wiese ab. Eigentlich wäre jetzt die Zeit gekommen, sich beim Public Viewing ein kühles Blondes zu genehmigen. Doch dunkle Wolken führten lediglich zum Druckabbau im ersten Fässchen, leider am Auto.

Nach dem Schauer ging es los. Und das war der Augenblick, bei dem vor meinem inneren Auge Hasstriaden abliefen, die selbst Göbbels in den Schatten gestellt hätten. Man kann sich schlecht vorstellen, welch eine angenehmes Leben sich einem auf der Nordschleife bietet.

Das Leben aus dem Kofferraum bietet einen Luxus… z.B. nur das notwendigste (Bier) tragen zu müssen. Nicht wie in Scheeßel mit dem Eigengewicht zusätzlich beladen durch die staubige Pampa zu treten. Besonders erfreut konnte jeder Besucher über die Herausforderungen einer Teilstrecke vom Parkplatz zur Bändchenausgabe sein.

Auf diesen netten Metern, geschätzten 150, war der Boden strandähnlich. Jedoch hat man an den Deutschen Hochseeküsten den Vorteil, dass sich die Siliziumatome zu einer Fusion auf Milimeterbasis überreden ließen. In Scheeßel jedoch macht jedes sein eigenes Ding, was treibsandartige Ausuferungen nach sich zog. Das Quitschen der Wirbelsäule war nicht zu überhören.

An der Bändchenausgabe war wieder Stop and Go. Ging aber recht flott voran. Unterdessen stand es bei Ger – Por 2:1. Kurz hinter dem Eingang befand sich der Zugang zum Campingplatz. Auf Anfrage schätzte der Securityschrank, dass es zum Festivalgelände noch ein Kilometer weit sei. War mir scheiß egal! Direkt gegenüber des Eingangs zum Campingplatz ließ ich mich nieder. Ein weiser Entschluss, wie sich noch zeigen sollte.

Heilfroh war ich, dass die Security keinen Blick in meinen Rucksack warf. Wie durch die Vorgeschichte bekannt, gab es eine kleine Meinungsverschiedenheit über die Sicherheit von Gaskochern beim Campen. Jetzt mal Tacheles:

Welcher saublöde, dumme, zu viel kiffende (ergo zu kleines Hirn habende) Dummbatz legt solche Richtlinien fest??? Ich kann das echt nicht nachvollziehen und mir fehlt jedwedes Verständnis für solch einen Schwachsinn! Zur Sache:

Überall sah ich Gaskocher von Campinggaz, an deren Unterseite eine Gaskartusche eingedreht wird. Zusammen mit einem Topf und dessen zu erwärmender Inhalt brachten es einige dieser Kocheinrichtungen auf eine Schräglage wie beim Motorradrennen. Besonders unlustig wird die Angelegenheit, wenn besoffen und/oder im Dunkeln Nahrung erhitzt wird. Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute sich daran verbrannten.

Zur Erinnerung: Im Net stand was von einem Verbot von 5 kg Gasflaschen. Also zog ich los und kaufte am Donnerstag eine 2 kg Flasche, die gar nicht umfallen kann, weil breiter im Durchmesser als hoch. Die Secs sagten mir später, alles über 500 g sei verboten! Und eine 500 g Flasche kann ich an den flach auf den Boden stehenden, sicheren Kocher nicht anschließen. Was soll’s. Ich habe für die Security mitgegrillt…

Überhaupt. Die Lockerheit und Freundlichkeit dieser Secs war durchweg bewundernswert. Sie waren es, mit denen ich am ersten Tag und der ersten Nacht den meisten Spaß hatte. Aber deren Arbeitsbedingungen sind voll für den Arsch. Dazu später im Bericht.

Nach diesem Ausflug wieder zur Sache. Kaum da reanimierte ich das Fass. Und sorgte nebenher für Obdach. Meine Nachbarn kamen aus England. Sie waren bis auf drei Schüler aus Brighton doch sehr zurückhaltend. Mit den Dreien hatten Kalle und ich aber noch viel Spaß.

Am nächsten Tag erwartete ich nicht nur Kalle, sondern auch drei nette Mädels aus Kassel. Um den Massen klar zu signalisieren, dass dieser Claim gesteckt war, holte ich drei rosa Solarlampen aus ihrer Verpackung. Denn, Fackeln sind nicht erst 2009 verboten, sie waren es schon jetzt! Leider war unter den süßen Lichtern schon ein Totalausfall zu verzeichnen, da son‘ besoffener Trampel eine platt trat.

Zusätzlich erwies ich die ganze Nacht persönlich Präsenz. Den Radiorecorder zwischen den Füßen sorgte ich dafür, dass in der unmittelbaren Umgebung an Schlaf nicht zu denken war. Ich quetschte alles aus den Duracell raus was drin war, LI. Gegen 6 war Schicht!

Um 8 Uhr wurde mit einem Schluck Tomatin gefrühstückt. Der Whisky schmeckte auch den Tommies, die allesammt attestierten, dass es Ihnen danach echt besser ging. Mir auch! Damit waren die Würfel für eine Bahnfahrt gefallen. Wie sonst sollte Kalle jetzt nach Scheeßel gelangen?

Bevor die Freitagsrally auf die letzten Zeltplätze begann wankte ich unsicheren Schrittes Richtung Auto, um Nachschub und den Pavillon zu holen. Das Drecksding. Sauschwer. In einer Plastikhülle ohne Tragegriffe oder ähnliches. Und dieser tolle Weg…

Der Aufbau dauerte ein paar Stunden. Ich muss dabei eine ziemlich jämmerliche Figur abgegeben haben. Von überall her kamen Menschen, die mir Helfen wollten. Selbst die vier Deutschrussen, die heute als Tagschicht die Secs miemten, boten mir Ihre Hände an. Wurde dankend abgelehnt! Ich Meister!!

Und schließlich hatte ich meine Gummipuppe mit an Bord. Sie gab mir die mentale Stärke, die ein solcher Pavilion erfordert. Die wurde von so vielen bewundert, angegrabbelt und verehrt und verschwand in der Nacht zu Sonntag spurlos, schnief.

Kurz vorher wurde unsere Securytiti von zwei wunderschönen, weiblichen Wesen mit dem Namen Chantal versehen. Chantal, wir werden Dich niemals vergessen! Rest in peace!

Die Russkies aber waren echt geil drauf. Son‘ Durchgeknallten wie mich hatten die wohl in Ihrem Leben noch nicht erlebt. Früh morgens bot ich denen erstmal Sonnenmilch an. Aber stolze Männerbrüste deuteten Ablehnung an. Erst nach intensiven Beknien meinerseits schmierten sie sich was ins Gesicht.

Der eine vergaß aber seinen Nacken, hehe. Am nächsten Tag sah sein Hals aus wie rohes Fleisch, kicher. Wir hatten gut was zu lachen. Einer kontrollierte die Rucksäcke mit solch einer Inbrunst, dass ich mich eine Minute an das Durchlassgitter stellte und ihn genau beobachtete.

Auf sein genervtes „Was ist?“ entgegnete ich ein besonnenes: „Mir scheint, als ob Du Männern gerne an die Säcke packst!“ Die anderen Drei lachten sich kaput während er mich mit einem unüberhörbaren „Kurva!“ belegte 🙂

Danach gabs kein Halten mehr. Regelmäßig schleuderte ich Sprüche von mir. Neben dem Eingang war ein riesiger Müllcontainer aufgestellt, in denen die Secs die vergeblichen Schmuggelversuche in Flaschenform versenkten. Besonders viele versuchten es am Freitag bei den Russen. Und so flog eine Flasche nach der anderen in das metallische Ungetüm.

Ich konnte nicht anders. Wieder hoch zu den Jungs mit der Feststellung, dass sich doch jedes Mal deren Herz verkrampfen müsse, wenn eine Flasche Vodka im Container zerplatzte. Ne halbe Stunde später kam ein Sec zu mir und bot mir ein Geschäft an.

Die Jungs warfen jetzt nichts mehr weg, sondern packten alles in Mülltüten. Der Deal: Ich bot mein Zelt als Zwischenlager an und ich durfte mir rausnehmen was ich wollte. So hatte Kalle für den Sa eine Flasche Vodka und ich nen fuseligen Whisky, den ich jemanden schenke, den ich nicht mag.

30 Flaschen Vodka, einige zu große Gaspatronen und anderer Ramsch war die fette Ausbeute der Jungs. Das sollte für eine Woche reichen. Als vorgeschobenes Dankeschön brachte mir einer zwei V+ und 2 Flaschen (!) Bier. War schon geil: Während den Neuankömmlingen der Fusel abgenommen wurde, prosteten Kalle und ich uns mit Flaschen zu.

Zwischendurch war ich mit dem Pavillon so weit, dass ich die Folie aufsatteln wollte. Dies war alleine aber nicht machbar, der böige Wind verhinderte dies. Da kam einer und half mir. Und der ist es Wert genauer vorgestellt zu werden.

Ach ja, der Christian (nicht böse sein 🙂 Zielsicher navigierte er sich von Filmriss zu Filmriss. Seine überaus nette Lebensgefährtin hatte mit der Aufsicht des kleinen Rackers allerhand zu tun. Da geht er pinkeln, die Dixis waren keine 30 m weg, und kommt 1,5 Stunden später total dicht wieder.

Wie wir eigentlich auch wollten beide noch die Beatsteaks sehen. Dass hatte sich dann aber erledigt. Echte Festivalfans gehen eh kein Mucker gucken. Und wie es bei sturzbetrunkenen Männern mal so usus ist, bekommen sie gerne noch ein wenig Hunger. Und so musste seine arme Perle ihm noch das Standardessen auf einem dieser Gaskocher machen: Ravioli aus der Dose.

Nachdem sein Hunger nach vier Stücken gestillt war, wurden uns die Restlichen angeboten. Dankend nahmen Kalle und ich an. Unterdessen versuchte Christian vergebens seine Schuhe aus zu ziehen. Das war schon ein putziger Anblick, wie er auf den Rücken kugelnd erfolglos nach seinen Schnürsenkeln griff.

Am nächsten morgen fragte er seine Leidgeprüfte, wo denn die Ravioli wären. Echt niedlich, der Kleine. So ging das über das gesamte Woende weiter, und deshalb war in seiner Gegenwart Heiterkeit garantiert.

Irgendwann nachmittags machte mich Kalle auf ein Kamerateam aufmerksam, welches bei den Secs stand. Textsicher schmetterte ich die Gossenhauer „Wieder mal keine Stimmung, Hurricane“ und „Rock am Ring“ in Richtung Linse. Wie ich Montag erfuhr, habe ich es damit immerhin bis in eine Sendung von Radio Bremen geschafft (stolzstolz).

Die Mädels aus Kassel (Huhu Karo) hatten sich vergeblich auf die Suche nach uns gemacht und sich irgendwo nieder gelassen. Den doch recht großen Freiraum, der jetzt von mir frei gegeben wurde, schnappte sich ein putziges Pärchen.

Der eine hatte eine furchteinflößende Hingabe zu Tatoos, war hoch wie breit und besaß einen kahlen Schädel, der Andere sah aus wie frisch aus den 60igern importiert. Nachdem geklärt war, dass es sich nicht um Nazis handelte, war auch zu denen rasch guter Kontakt aufgebaut.

Und nun die Krönung. Während des ersten Antibieres des Tages (BECKS), welches beide netter Weise sponsorten, stellte sich heraus, dass sie aus Burgdorf bei Hannover kommen. Zur Erläuterung: Aus dieser Stadt bin ich im März nach Hannover gezogen. Spätere Treffen garantiert!

Irgendwann war auch das zweite Fässchen des Tages alle. Und außer dem brauchte Kalle seine Klamotten. Also mussten wir noch mal zum Auto. Noch mal… Der Staub, der mittlerweile allgegenwärtig war, waberte in dicken Schwaden über das Gelände. Besonders bei diesem Treibsandteilstück.

Auf dem Parklatz vernahmen wir dann auch erstmalig Livemucke. Let me in der Beatsteaks kam ganz zart über das Waldstück. Kalle und ich wunderten uns noch über die Lautstärke. Das Stück ist seit dem Ring 2007 aber eh nicht mehr zu toppen.

Ich weiß nicht mehr, was ich alles auf den Schultern geladen hatte, aber es war nicht wenig. Auf dem Rückweg fiel ich plötzlich der Länge nach auf die Fresse! Da hatte sich tatsächlich einer in dieser Dreckspassage zum Pennen in den Staub gelegt. Der war im Dunkeln gar nicht zu erkennen. Vom Einschlag meines Fußes hat der nicht das Geringste gemerkt, der pennte weiter!

Das Schmerzadrenalin ermöglichte mir weitere Stunden Vollgas zu geben, so dass wir am Sa lediglich noch eine 5 l Büchse Bier hatten. Und den Vodka, hihi. Irgendwann kapitulierten meine Augen und ich begab mich in meinen Schlafsack. Kalle plagte schon seit Stunden ein Schluckauf, den er mit in den Schlaf nahm.

Die Luftfeuchtigkeit war so extrem, dass Rinnsäle die Zeltwand hinunter flossen. Die Nachtschichtsecs hatten dazu gelernt und sich dicke Klamotten angezogen. Morgens wurde ich von einem Gespräch der Secs geweckt. Auf deren abgetrennten Zeltplatz hatte einer eine Verstopfung verursacht, die eine mehrere Quadratmeter große Fläche voll Scheiße nach sich zog.

Das gibt natürlich was her. Die Aussicht nach einer 12 Stunden Freiluftnachtschicht bei seinem Schlafplatz von dem Geruch der großen, weiten Welt empfangen zu werden… lecker

Uns empfing bayrische Bierbraukunst. Um 14 Uhr waren wir dann auch mal zum eigentlichen Anlass da. Apoptygma Berzek beseitigten mit Ihrem Auftritt die letzten Zweifel, ob ein drittes Festival in einem Jahr nicht zu dekadent ist. Ist es nicht, deshalb schon mal: Mera Luna, wir kommen!

Der Staubgehalt in der Luft steigerte sich im Laufe des Tages auf 30 Billionen ppm. Ich weiß gar nicht, wie viele Kalorien son Kilo Staub hat. Hunger hatten wir jedenfalls nie so richtig großen. Gott sei Dank hatten die Engländer uns einen 5 l Kanister Wasser mitgebracht.

Apropos Tommies. Den Jungs wurde wurde eine Menge germanischer Trinkrituale beigebracht. Von mir erlernten sie das Dosenschießen. Während einer schon beim Öffnen der Dose versagte traten beim anderen die Augen hervor. Die Ungewissheit, wie lange der Bierstrom dauert ist wie beim Petting. Hat manns hinter sich, geht’s endlich zur Sache!

Die Wirkung schlug bei dem Bubi ein wie eine Faust! Deshalb verabschiedete er sich rasch und Christian kam an. Abends zogen wir gemeinsam in das staubige Ungewisse, um uns Billy Talent und die Foo Fickers rein zu ziehen.

Nun wurde mir auch klar, warum wir bislang nichts von den Konzerten gehört hatten. Die Anlage war so leise, dass man sich mühelos in 25 m Entfernung zur Bühne unterhalten konnte. Mir wurde zwar gesagt, im Jahr zuvor sei es noch leiser gewesen, doch das war mit dem Ring nicht vergleichbar!

Es begann Kalles Abend! Nachdem das Paulaner, welches eine flauschige Trinktemperatur von angenehmen 20ºC besaß, alle war, machte er sich über alle Biere her, deren er habhaft wurde. Dazu kamen dann noch Antibiere (BECKS) in rauhen Massen.

Gegen 22 Uhr setzte dann der Schluckauf ein, nach den Foo Fighters folgte dann der Pupillenstillstand. Als wir auf dem Heimweg ein Waldstück passierten war Kalle der Brüller. Vor uns ging ein Schrank mit zwei Schnallen, die sich Kollektiv erschraken, als Kalle einen Meter hinter ihnen einem herzerweichenden Aufschlucker von sich gab.

Eine Weibse begann sogleich eine Reihe gut gemeinter, aber schon vergebens ausprobierter Ratschläge runter zu rasseln. Da tippte der Schwankomat den Schrank an und sagte: „Ich hoffe, Du hast ihn jetzt!“

Die Weibse fing gerade an ihr Gefieder zu spreizen und eine Schimpftriade loszugockeln, wie gehässig Kalle doch sei und so was, als Besagter wieder den Zeigefinger hob, die Henne an den Arm tippte und sagte: „Ich hoffe, Du hast ihn jetzt!“

Ich weiß, Situationskomik ist schlecht in Worte zu fassen. Aber diese unerwartete Aktion brachte Kalle nicht nur meinen Respekt ein, sondern mir auch Bauchschmerzen! Denn alle drei waren sprachlos und im fahlen Halogenlicht sahen deren Gesichter aus, zum wegsperren.

Doch damit nicht genug. Neben uns drängte sich am Sa (!) ein Ü40er mit wohl seinen zwei Töchtern. Die waren zwar sichtlich sehr jung, aber im Wachstum nicht dem Alter entsprechend. Unser gerade an heftigen Herzschmerzen leidender Romeo hatte nach dem Verzehr aller Bierreste nix besseres zu tun, als sich den Vodka vor zu knüpfen.

Christian kam ihm dabei zur Hilfe. Nach einer Weile griff Kalle sich die Taschenlampe, eroberte das Zelt der schlafenden Mädels und forderte sie lautstark auf, der Runde Gesellschaft zu leisten. Diesem Aufruf kamen beide nach.

Bevor Kalle jedoch großzügig den Vodka verteilte fragte er standesgemäß erst nach dem Alter. Da sie ihm mit 14 und 15 zu jung vor kamen, verweigerte er den beiden den Schnaapes und machte sich über sie lustig.

Eine Pinkelpause nutzten die Mädels zur Flucht. Als Kalle wieder kam rannte er wieder in deren Zelt. Diesmal allerdings Ergebnislos. Christian und Kalle sahen am nächsten Tag auch aus wie Vodka!

Die Mädels und ihr Paps ergriffen am So schon früh die Flucht. Ich hatte gut durch gepennt. Doch die früh einsetzende Hitze trieb mich aus dem Zelt. 1. Dusche des Tages war angesagt. Als ich zu dem Duschzelt kam musste ich schmunzelnd feststellen, dass entweder eine Abfluss- oder Frischwasserleitung defekt war.

Dadurch ergoss sich die Duschgrütze gepaart mit Sand in die nur wenige cm tiefer liegende Campingzone. Und da diese Duschen rund um die Uhr in Gebrauch waren kamen da schon einige Badewannen voll runter. Das gab ein böses Erwachen der Zeltbesatzungen.

Einige fühlten sich durch diesen Missstand genötigt in eine schlammfreie Zone um zu ziehen. Ob das was gebracht hat? Nachmittags gegen 16 Uhr begann es zu regnen. Vorher hatten wir zum Glück alles schon im Auto verscharrt.

Ich mag mir gar nicht vorstellen wollen, was für eine Scheiße es gewesen sein muss, den ganzen Rotz matschdreckig abzubauen und durch die norddeutsche Tiefebene zu schleppen. Ich brauchte rekordverdächtige Zeiten, um die Peeke zu Hause von den Gebrauchsgegenständen herunter zu bekommen.

Nach dem Abbau sah ich wieder aus wie Schwein, also Dusche Nr. 2. Und auf dem Weg zu den Donots folgte Dusche Nr. 3, für die ich nur Schuhe und Hose auszog. Kalle ging ganz bekleidet runter. Leute, aus seinen Schuhen quoll schwarzes Abwasser!

Das lässt erahnen, welche Belastungen dem Körper durch Staub zugemutet wurden. Der erste Q-Tip zu Hause war eine Traum in Braun. Von diesem Dreck ist man auf der Nordschleife dankenswerter Weise verschont.

Auf dem Heimweg war vor uns die Hölle los. Dauernde Meldungen ließen erahnen, dass es gewaltig zur Sache ging und manche Landstriche regelrecht abgesoffen sind. Für einige war es ein Deja vu als auf den Leinwänden die Unwetterwarnung des DWD abgebildet wurde.

So erfuhr ich von einer Antibierstandbetreiberin Einzelheiten über das schwere Unwetter beim Hurricane 2006. Aufgrund der Unwetterwarnung wurde der ganze Platz geräumt. Lediglich das Verkaufspersonal der Stände und Secs durften da bleiben.

Und dann öffnete der Himmel eine Schleuse, die in kürzester Zeit den Platz in einer Höhe von 25 cm überflutete. Das Wasser mit einem wenigstens genau so hohem Staubgehalt wie in diesem Jahr floss in alle Stände. Überall auf dem Gelände trieben leere Bierfässer, Trinkbecherbehälter und Mülltonnen umher.

Der Zeltplatz wurde komplett verwüstet. Zwei Mädels wollten sich nach dem Unwetter umziehen, doch es gab nichts mehr zum Ziehen. Denn streckenweise hatte der Wind die Zelte weggerissen und die Strömung alle Utensilien zu einem großen Müllberg verschmolzen.

Da kann ich eigentlich nur von Glück reden, dass wir immer rechtzeitig die Biege gemacht haben. Das Weibchen hatte aber noch ein paar andere Geschichten auf Lager. So z.B., dass für alle weibliche Bediensteten in den Verkaufsständen lediglich 6 Duschen zur Verfügung standen. Das ist nach nem 16 Stunden Tag auch echt gediegen!

Überhaupt, die Arbeitszeiten! Die Secs, egal, ob sich nun am Eingang die Füße platt stehend oder auf Patrouille, 15 Stunden Standart! Da werden Gesetze wissentlich mit Füßen getreten. Und deren Einweisung war alles andere als gut. Noch nie sind mir so viele zuckende Achseln auf Fragen begegnet wie da.

Manche Secs wurden schlicht weg vergessen und standen auf Einzelposten mal eben 22 Stunden rum, selbstredend ohne mit ausreichend Wasser versorgt zu werden, um sich mal den Staub aus dem Hals zu Gurgeln. Wenigstens, so sagte mir die Frau, verdiene man sehr gut. Man gut, dass Geld nicht alles ist.

Wenigstens waren alle nett. Das wurde in der kurzen Einweisung wohl immer wieder erwähnt. Klar, erste Deeskalationsregel im Krisenfall, ein Lächeln entwaffnet. Da die Becksbraut aber ein enormens Pensum an Festivals abklappert, kamen wir auch auf den Punkt Zuschauer zu sprechen.

Das Publikum ist im Vergleich zum Ring halb so alt. Dafür laufen da fast 50/50 Frauen rum. Das hat Vor- und Nachteile. Von meinem Logenplatz am Eingang war das eine 1A Fleischbeschauung. So manches Gramm Staub hat die permanent im Dreck liegende Zunge aufgenommen, weil ständig irgendwelche Heidi Klums vorbei zogen.

Doch alle Vorteile haben auch Nachteile. Viele Frauen sind einfach echte Stimmungsbremsen! Wozu gehe ich auf ein Rockfestival, wenn ich pogende Moscher mit folgenden Worten eindecke: „Ihr Wichser“, „Ihr Penner“, „Hört auf“, „Macht das wo anders“ usw. Im Stillen habe ich mir gedacht, hier ist doch eh alles schon verboten. Nun weiß ich warum!

Echt: In den Umbauphasen wurden Sicherheitseinblendungen auf die Bildschirme gezaubert. Crowd surfing war untersagt! Es gab nicht einen abgesperrten Bereich vor den Bühnen, sonder Drei!!! Ich fühlte mich an meine scherzhaften Verbesserungsvorschläge für 2009 erinnert. Sagt das nicht alles?

Das junge Publikum griff auch gerne mal nach Getränken, ohne zu bezahlen. Und durch das Heranwachsen der ersten Bartstoppeln waren die Knaben auch etwas aufgedrehter als am Ring. Ich weiß nicht, irgendwie waren die jungen Hüpfer sehr distanziert, dass Gruppendenken doch sehr ausgeprägt.

Ich war froh, dass die Burgdorfer weit und Christian fast ganz aus diesem Alter raus waren. Die Tommies waren trotz des Alters auch ok. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich nicht unbedingt jeden Tag zu den Konzerten traben muss. Auf den Zeltplätzen ist’s mindestens genau so gut.

Die Krönung am Ende: Am Eingang Nord war ein Hannes, der seit vielen Jahren keinen Rasierer mehr benutzt hat und verteilte kostenlos Postkarten und kleine Büchlein. Unter anderem eines in der Aufmachung von Rock im Park: Rock im Sarg. Da werden in Kürze die Biographien vieler verstorbener Rocklegenden aufgeführt. Das ist das Positive an dem Büchlein. Gut geschrieben… Aber dass krampfhaft versucht wird, den Gammel in Zusammenhang mit der Bibel zu setzten schlägt dem Fass den Boden aus! Hätte ich mir eigentlich denken können, keine 5 m von dem Beppo hatten christliche Jugendliche einen riesigen Stand aufgebaut. Und da war was los, Leute! Lauter Wahnsinnige, unglaublich.

Und jetzt noch was ganz geheimes und ganz schreckliches:

Nächstes Jahr gibt es am Ring kein Bitburger mehr!!!

Dann beginnt die Herrschaft des noch beschissener als Antibier

schmeckenden, beschissen schaalem Labberwassers

Warsteiner!

Kotz…


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